Wilhelm13

Datum

7. Sep 2019

Uhrzeit

20:00

Gehörgänge – Die Kunst der Improvisation No. 20
HCL Ensemble und Guy Bettini

Guy BettiniIn der vom Oldenburger Schlagzeuger Hannes Clauß kuratierten Reihe Gehörgänge ist der Italienisch-Schweizer Improvisator Guy Bettini (Kornett) zu Gast. Der in vielen internationalen und prominent besetzten Bands agierende Trompeter wird beim Konzert mit dem HCL-Ensemble auf der Bühne des Wilhelm13 die hohe Kunst der Improvisation darbieten.

Guy Bettini, Italienisch-Schweizer Improvisator, lebte 12 Jahre in Berlin, dort war er Co-Gründer des Festivals „Echtzeit“. Mit dem Free-Chamber-Music-Ensemble „Margaretes Zimmer“ gewann er den ersten Preis des „Festivals Infernale“ der HDK Berlin. Im Jahr 2000 erhielt er die Jazzförderung des Berliner Senats. Zusammenarbeit mit dem DJ Orlow und dem d&b Trio „Human Sampler“. 2005 erhielt Bettini einen Kompositionsauftrag für das „Festival of Jazz Chiasso“. Er gründete das Quartett „Freenology“ mit Sonny Simmons, Paul Lovens und Clayton Thomas mit dem er in ganz Europa konzertierte. Weiter spielte er in Bands mit Alexander von Schlippenbach, Urs Leimgruber, Sebi Tramonata und Natalie Peters. Im Quartett „EXODUS“ arbeitete er mit den Musikern Gerry Hemmingway, Luca Sisera und Fabio Mertini zusammen. Mit seinem Trio „XOL“ (Francesco Miccolis, LucaPissalini, Guy Bettini) und dem Gast Peter Brötzmann absolvierte er eine Europatournee und eine Schweiz-Tournee mit dem Gast Harri Sjöström. Er ist Gründer und Dirigent des Großensembles „Sous-sol“. Weiter arbeitete er mit den Musikern Olaf Rupp, Peter Kowald, George Lewis, Tony Buck, Michel Doueda, Bare Phillips, Werner Lüdi, Frank Gratkowski, Gianni Gebbia, Roger Turner, Silvia Bolognesi, Achille Succi…

Musik in der Gegenwart

Der Begriff “Improvisierte Musik” hat heute zu viele Interpretationsmöglichkeiten bekommen und ist zu einer bedeutungsschwachen und ungeeigneten Musikkategorie geworden, um eine Art von Musik zu definieren, die in der Gegenwart entsteht. Improvisiert (Lat: improvisus) steht für unerwartet, plötzlich, nicht vorhersehbar, und ist daher definitiv nicht geeignet, die Praxis des Musikers zu beschreiben, der im Moment komponiert, in einem intuitiven Fluss versinkt, die sich bildenden Klangkonstellationen antizipiert und vorhersieht (vorfühlt). Ich bin überzeugt, dass wir heute, im einundzwanzigsten Jahrhundert, in eine neue Ära eingetreten sind, in der die Beachtung des Hier und Jetzt eine grundlegende Notwendigkeit sein wird. Die Musik wird diese Bedürfnisse widerspiegeln und ein Modell der Anwendung sein, eine Praxis des Bewusstseins sowohl für den Musiker als auch für den Hörer.

Die Kategorie “Improvisierte Musik” wird durch “Musik in der Gegenwart” (Musica nel presente) ersetzt, im Sinne von Präsenz (aus dem Lateinischen “presum” pre = davor, voraus, // sum = sein): im voraus sein, vorhanden sein. Die in der Gegenwart geschaffene Musik, ist eine Musik die vor uns entsteht in dem Moment, in dem sie zur Musik wird. Eine Musik, die gehört, gespürt wird, bevor sie sich manifestiert, ein Gewahr werden des inneren Hörens.

Diese vorweggenommene Wahrnehmung entsteht aus der Intuition, die immer einen Moment vor der Übersetzung des Intellekt in eine Form eintritt. Eine Musik, die prärationale Erfahrungen und Erfahrungsweisen hörbar machen soll. Musik in der Gegenwart löst sich aus der Verbundenheit mit der Vergangenheit und fällt nicht in die Zukunftserwartungen, eine Musik die dank des Regens der Intuition auf dem Humus individueller Erfahrungen und Fähigkeiten blüht.

Musik in der Gegenwart kann auch in der Gruppe gespielt werden, vorausgesetzt, alle Mitglieder befinden sich in einem Zustand des Gewahrseins mit dem inneren Gehör, in einem Zustand des kollektiven Verstehens, in einer Form kompositorischer Telepathie. Im Kollektiv ist jedes Mitglied gleichzeitig Interpret, Arrangeur und Komponist. Je größer die Gruppe, desto schwieriger ist die Aufgabe, diese intuitive Abstimmung herzustellen. – Guy Bettini

Mitwirkende: Guy Bettini – Kornett, Hannes Clauß – Schlagzeug, Perkussion, Reinhart Hammerschmidt – Kontrabass, Hans Kämper – Posaune und Sebastian Venus – Klavier.

Eintritt: 15.00/erm. 10.00 – Bitte reservieren Sie Ihre Karten online oder telefonisch: 0441-9491045 (AB).

Veranstalter: Jazzmusiker-Initiative Oldenburg e.V.

Photo: Guy Bettini